Achillessehne: Schmerzen, Entzündung und Tendinopathie
Wenn die Achillessehne schmerzt: die typischen Anzeichen
Schmerzen an der Achillessehne entstehen meist durch Überlastung. Sie machen ein Fünftel der Probleme bei Läufern aus und treten – außer bei Leistungssportlern – typischerweise bei Männern mittleren Alters auf, die am Wochenende Freizeitsport betreiben. Typische Anzeichen sind:
- Schmerzen und Steifheit entlang der Sehne, besonders am Morgen oder nach Ruhephasen
- Schwellungen und Verdickungen entlang der Sehne
- Schmerzen bei Belastung, etwa beim Laufen, Springen oder beim Stehen auf den Zehenspitzen
- Schmerzen im hinteren Bereich der Ferse, wenn der Sehnenansatz, der Schleimbeutel oder das Fersenbein betroffen ist
Ein plötzlicher, scharfer Schmerz mit hörbarem „Peitschenknall“ spricht dagegen für einen Riss der Achillessehne – dann sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Welche Erkrankung hinter Ihren Beschwerden steckt und was dagegen hilft, erkläre ich auf dieser Seite.
Was ist die Achillessehne?
Anatomie der Achillessehne
Die Achillessehne, auch als Tendo calcaneus bekannt, ist die stärkste und dickste Sehne im menschlichen Körper. Sie verbindet den Wadenmuskel mit dem Fersenbein (Calcaneus). Genauer gesagt, setzt sie sich aus den Sehnen des Musculus gastrocnemius (Zwillingswadenmuskel) und des Musculus soleus (Schollenmuskel) zusammen, die beide im Unterschenkel liegen.
Aufbau
- Musculus gastrocnemius: Dieser Muskel hat zwei Köpfe (medial und lateral) und ist verantwortlich für die Beugung des Knies und die Plantarflexion des Fußes (Bewegung des Fußes in Richtung der Fußsohle).
- Musculus soleus: Dieser Muskel liegt unter dem Musculus gastrocnemius und trägt ebenfalls zur Plantarflexion bei, ist aber hauptsächlich aktiv, wenn das Knie gebeugt ist.
- Verbindung mit dem Fersenbein: Die Achillessehne verbindet diese Muskeln mit dem hinteren Teil des Fersenbeins und ermöglicht so die Kraftübertragung von der Wadenmuskulatur auf den Fuß.
Funktion der Achillessehne
Die Achillessehne spielt eine zentrale Rolle bei vielen Bewegungen, insbesondere beim Gehen, Laufen, Springen und Treppensteigen. Ihre Hauptfunktionen umfassen:
- Plantarflexion: Die Achillessehne ermöglicht die Plantarflexion des Fußes, was für das Abstoßen vom Boden beim Gehen oder Laufen unerlässlich ist.
- Stoßdämpfung: Sie wirkt als Stoßdämpfer und hilft, die Belastungen, die auf den Fuß wirken, abzufedern.
- Kraftübertragung: Durch die Verbindung der kräftigen Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein sorgt sie für eine effiziente Kraftübertragung, die für die Fortbewegung notwendig ist.
Besonderheiten
- Stärke und Belastbarkeit: Trotz ihrer enormen Belastbarkeit – sie kann Kräfte bis zum 12-fachen des Körpergewichts aushalten – ist die Achillessehne aufgrund ihrer schlechten Durchblutung anfällig für Verletzungen und degenerative Veränderungen.
- Schwachstellen: Eine bekannte Schwachstelle ist etwa 2-6 cm oberhalb des Ansatzes am Fersenbein, wo die Durchblutung am schlechtesten ist.
Die Achillessehne ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Bewegungsapparates und ermöglicht zentrale Bewegungsabläufe wie Gehen, Laufen und Springen. Ihre Anatomie und Funktion machen sie jedoch auch anfällig für verschiedene Verletzungen und Erkrankungen, die eine gezielte Behandlung erfordern, um die volle Funktionsfähigkeit wiederherzustellen.
Woher hat die Achillessehne ihren Namen?
Der Name stammt aus der griechischen Mythologie: Um Achilles unverwundbar zu machen, tauchte ihn seine Mutter Thetis in den Fluss Styx. Dabei hielt sie ihn an der Ferse fest, die vom Wasser nicht berührt wurde und seine Schwachstelle blieb. Diese „Achillesferse“ ist bis heute auch für viele Sportler – Profis wie Freizeitsportler – eine kritische Stelle.
Typische Erkrankungen der Achillessehne
Die Achillessehne, als stärkste Sehne des menschlichen Körpers, ist besonders anfällig für verschiedene Erkrankungen und Verletzungen. Hier sind einige der häufigsten Krankheitsbilder, die die Achillessehne betreffen:
1. Achillessehnenentzündung (Achillodynie)
Eine der häufigsten Beschwerden ist die Achillessehnenentzündung, auch Achillodynie genannt. Sie ist durch Entzündungen und Schmerzen an der Achillessehne gekennzeichnet, oft durch Überbeanspruchung oder repetitive Belastung verursacht. Typische Symptome sind:
- Schmerzen und Steifheit entlang der Achillessehne, besonders am Morgen oder nach Ruhephasen
- Schwellungen und Verdickungen entlang der Sehne
- Schmerzen bei Belastung, wie z.B. beim Laufen oder Springen
2. Achillessehnentendinopathie
Die Achillessehnentendinopathie ist eine degenerative Erkrankung der Sehne, die durch chronische Überlastung entsteht. Sie wird in zwei Hauptformen unterteilt, die unten beschrieben werden.
3. Achillessehnenruptur
Eine vollständige oder teilweise Ruptur der Achillessehne ist eine schwerwiegende Verletzung, die oft bei plötzlichen, intensiven Bewegungen auftritt, wie sie beim Sprinten oder Springen vorkommen. Eine Achillessehnenruptur macht sich u.a. durch ein plötzliches, scharfes Schmerzgefühl im hinteren Unterschenkel oder Fersenbereich bemerkbar.
4. Haglund-Syndrom
Das Haglund-Syndrom ist eine knöcherne Vorwölbung an der Rückseite des Fersenbeins, die zu einer Achillessehnenreizung sowie zu einer Reizung der umliegenden Gewebe führt. Diese Reizung kann zu Entzündungen und Schmerzen führen.
5. Bursitis (Schleimbeutelentzündung)
Eine Schleimbeutelentzündung kann ebenfalls Schmerzen im Bereich der Achillessehne verursachen. Sie entsteht durch die Entzündung der Schleimbeutel, die sich zwischen der Achillessehne und dem Fersenbein befinden, und äußert sich durch Schmerzen im hinteren Fersenbereich, Schwellungen und Rötungen im Bereich der Schleimbeutel sowie Druckempfindlichkeit.
Ursachen und Häufigkeit von Achillessehnenschmerzen
Ursachen und Häufigkeit von Achillessehnen-schmerzen
Achillessehnenschmerzen entstehen meist durch Überlastung und stellen ein Fünftel der Probleme bei Läufern sowie 5 % der Beschwerden bei allen Sportlern dar. Typischerweise treten diese Schmerzen (außer bei Leistungssportlern) bei Männern mittleren Alters auf, die am Wochenende Freizeitsport betreiben. Mehrere Faktoren tragen zur hohen Häufigkeit dieser Beschwerden bei:
- Struktur der Wadenmuskulatur: Die Wadenmuskulatur besteht aus drei Muskeln, die über drei Gelenke verlaufen.
- Durchblutung: Die Achillessehne selbst ist schlecht durchblutet, was die Heilung erschwert.
Der Hauptfaktor für die Entwicklung degenerativer Prozesse in der Sehne ist die Überlastung, die pathologische Veränderungen (Tendinopathie) verursacht.
Warum reißt die Achillessehne?
Ein Riss entsteht meist durch eine plötzliche Überbelastung einer bereits geschwächten Sehne. Häufige Auslöser und Risikofaktoren sind:
- explosive Bewegungen, etwa ein plötzlicher Abstoß
- wiederholte Mikrotraumata, die die Sehne schwächen
- altersbedingte degenerative Veränderungen der Sehne
- bestimmte Medikamente wie Fluorchinolone, Statine oder Steroide
- lokale Kortisoninjektionen
Weil die Achillessehne schlecht durchblutet ist, ist sie anfällig für Verletzungen und degenerative Veränderungen. Eine bekannte Schwachstelle liegt etwa 2–6 cm oberhalb des Ansatzes am Fersenbein, wo die Durchblutung am schlechtesten ist. Symptome und Behandlung beschreibe ich unter Riss der Achillessehne.
Die Achillessehnentendinopathie
Die Achillessehnen-tendinopathie
Eine häufige Muskel-Skelett-Erkrankung
Eine Differenzierung des Krankheitsbildes
Um das Krankheitsbild besser zu differenzieren, wurde 1992 eine Unterteilung in Ansatztendinopathie und Tendinopathie außerhalb des Ansatzes eingeführt.
- Tendinopathie außerhalb des Ansatzes: Diese Form ist doppelt so häufig und spricht gut auf konservative Behandlungen an, die hauptsächlich durch exzentrische Kräftigungsübungen (wie von Alfredson 1998 beschrieben) dargestellt werden. Diese Therapie umfasst das Fersenabsenken und den Spitzenstand am Rand einer Stufe. Eine detaillierte Beschreibung des spezifischen 6-Wochen-Programms würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.
- Ansatztendinopathie: Diese Form spricht schlechter auf konservative Behandlungen (nichtsteroidale Antirheumatika, Stoßwelle, Ultraschall etc.) an und äußert sich durch Schmerzen im hinteren Bereich der Ferse. Diese Tendinopathie wird durch direkte mechanische Überlastung und wiederholte Mikrotraumatisierung verursacht.
Klinische Diagnose und Differenzierung
Bei der klinischen Untersuchung muss eine Achillessehnentendinopathie beispielsweise von Sprunggelenkserkrankungen oder Schleimbeutelentzündungen abgegrenzt werden. Eine Ansatztendinopathie liegt vor, wenn die Veränderungen der Sehne und die Schmerzen innerhalb von 3 cm vom Ansatzpunkt der Sehne lokalisiert sind. Der Patient berichtet oft von Schmerzen beim Stehen auf den Zehenspitzen, manchmal jedoch auch von Schmerzen, die das Gehen und normale Alltagsaktivitäten behindern. Neben dem Röntgen ist die Magnetresonanztomographie wichtig, um das Vorliegen und Ausmaß einer Sehnendegeneration zu untersuchen.
Behandlung der Achillessehnentendinopathie
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung einer chronischen Ansatztendinopathie ist weniger erfolgreich als bei einer Tendinopathie außerhalb des Ansatzes. Exzentrische Übungen oder Dehnungen des Wadenmuskels helfen seltener. Weitere konservative Maßnahmen umfassen:
- Orthopädische Einlagen zur Fersenerhöhung
- Stretching
- Nichtsteroidale Antirheumatika
- Physikalische Verfahren (Stoßwelle, Ultraschall, Laser, Iontophorese usw.)
Von der lokalen Anwendung von Kortison wird abgeraten, da sie die Sehne zusätzlich schwächt und zu einem Riss an der Ansatzstelle führen kann.
Chirurgische Behandlung
Wenn eine konservative Behandlung über mindestens 6 Monate fehlschlägt und die Beschwerden erheblich sind, kann eine chirurgische Lösung in Betracht gezogen werden. Die Wahl der Operationstechnik richtet sich nach dem Grad der Achillessehnendegeneration.
Wann zum Arzt – und wie läuft die Abklärung ab?
Suchen Sie umgehend eine Unfallambulanz oder Notaufnahme auf, wenn ein plötzlicher, scharfer Schmerz auftritt, Sie einen „Peitschenknall“ gehört haben oder eine Delle im Verlauf der Sehne sehen – das sind typische Zeichen eines Risses. Meine Ordination ist keine Notfallambulanz; nach der Erstversorgung können Sie zur weiteren Abklärung, Nachkontrolle oder für eine zweite Meinung zu mir kommen. Lassen Sie Achillessehnenschmerzen auch abklären, wenn sie das Gehen und Ihre Alltagsaktivitäten behindern: Welche Behandlung hilft, hängt davon ab, welche Erkrankung vorliegt.
In meiner Ordination in Wien beginnt die Abklärung mit einer gründlichen klinischen Untersuchung. Dabei grenze ich eine Erkrankung der Achillessehne von Sprunggelenkserkrankungen oder einer Schleimbeutelentzündung ab und prüfe, ob die Veränderungen am Sehnenansatz oder außerhalb davon liegen. Neben dem Röntgen ist die Magnetresonanztomographie (MRT) wichtig, um Vorliegen und Ausmaß einer Sehnendegeneration zu beurteilen. Danach legen wir gemeinsam die Behandlung fest – individuell und auf Basis einer gründlichen Diagnose.
Fazit
Schmerzen an der Achillessehne haben unterschiedliche Ursachen – von der Achillodynie über die Tendinopathie und das Haglund-Syndrom bis zur Schleimbeutelentzündung oder einem Riss. Eine genaue Diagnose ist die Grundlage für eine gezielte Behandlung: Die Tendinopathie außerhalb des Ansatzes spricht gut auf exzentrische Kräftigungsübungen an, die Ansatztendinopathie schlechter. Eine Operation kann bei der Tendinopathie in Betracht gezogen werden, wenn die konservative Behandlung über mindestens 6 Monate fehlschlägt und die Beschwerden erheblich sind.
Weitere Erkrankungen finden Sie in der Übersicht Fuß und Sprunggelenk und auf der Seite Fußspezialist in Wien; zu Beschwerden weiter vorne im Fuß lesen Sie mehr unter Schmerzen im Mittelfuß. Wenn Ihre Achillessehne schmerzt, vereinbaren Sie eine Erstordination.
Häufige Fragen zu Schmerzen an der Achillessehne
Was hilft bei Schmerzen an der Achillessehne?
Das hängt von der Ursache ab. Bei der Tendinopathie außerhalb des Ansatzes helfen vor allem exzentrische Kräftigungsübungen wie das Fersenabsenken und der Spitzenstand am Rand einer Stufe. Bei der Ansatztendinopathie kommen Einlagen zur Fersenerhöhung, Stretching, nichtsteroidale Antirheumatika und physikalische Verfahren wie die Stoßwelle infrage.
Was ist der Unterschied zwischen Achillessehnenentzündung und Tendinopathie?
Die Achillessehnenentzündung (Achillodynie) ist durch Entzündung und Schmerzen an der Sehne gekennzeichnet, oft nach Überbeanspruchung oder wiederholter Belastung. Die Tendinopathie ist eine degenerative Erkrankung der Sehne durch chronische Überlastung; man unterscheidet die Tendinopathie außerhalb des Ansatzes und die Ansatztendinopathie.
Darf man Kortison in die Achillessehne spritzen?
Von der lokalen Anwendung von Kortison wird abgeraten. Sie schwächt die Sehne zusätzlich und kann zu einem Riss an der Ansatzstelle führen; lokale Kortisoninjektionen erhöhen auch das Risiko eines Achillessehnenrisses.
Wann wird die Achillessehne operiert?
Bei der Tendinopathie kann eine Operation in Betracht gezogen werden, wenn die konservative Behandlung über mindestens 6 Monate fehlschlägt und die Beschwerden erheblich sind; die Technik richtet sich nach dem Grad der Degeneration. Bei einem Riss ist die Operation besonders bei jungen, aktiven Patienten oder bei vollständigen Rissen die bevorzugte Methode.
Wo genau liegt die Achillessehne?
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur – den Zwillingswadenmuskel (Musculus gastrocnemius) und den Schollenmuskel (Musculus soleus) – mit dem hinteren Teil des Fersenbeins. Sie ist die stärkste und dickste Sehne des menschlichen Körpers.

Aktualisiert: 06.10.2026